Was ist Psyche?

Psyche (griechisch ψυχή, Hauch, Atem) war im klassischen Altertum ein Synonym für das Wort Seele. Im Laufe der Jahrhunderte und aufgrund der Weiterentwicklung von Kultur (und auch des menschlichen Geistes) wurde es notwendig diese beiden, verschiedenen Konzepte auch begrifflich zu trennen.

Psyche und Seele

Heute ist Psyche eines der vier Teile, die den nicht-physischen Anteil des Menschen ausmachen. Die drei anderen sind Bewusstsein, Geist, Seele. Während Psyche zu großen Teilen nur in Partnerschaft mit dem Körper existiert, bezeichnet Seele den Teil, der auch nach dem Ablegen des Körpers nicht vergeht. Folgende Ideen entstammen unten genanntem Buch „Welten der Seele“.

Funktionen von Psyche

Psyche hat zwei Hauptfunktionen: Sie ist sowohl ein Speichermedium, welches Erinnerungen speichert aber auch verzerrt, als auch ein nicht-materielles Verdauungsorgan, das Angst bewältigt.

Psyche kann unterschiedlich komplex sein und kann in dieser Hinsicht verglichen werden mit einer Spiegelkugel, die aus mehr oder weniger vielen Spiegelflächen besteht. Eine Kugel mit wenigen Spiegeln liefert ein sehr einfaches Bild der Realität; eine Kugel mit vielen Flächen, ein hochkomplexes Bild der Realität. Einsichtig ist, dass eine hochkomplexe Psyche Realität differenzierter darstellt, andererseits aber anfälliger ist, verzerrte Abbilder von Realität zu bilden.

Psyche und Gesundheit

Eine starke Verzerrung der Realität kann dazu führen, dass die Grundfunktion von Psyche zeitweise außer Kraft gesetzt wird, und Angst nicht mehr richtig verdaut wird.

Eine krankhaft arbeitende Psyche wird nicht nur Verzerrungen der Realität aufrecht erhalten, sondern diese auch noch verstärken, so dass äußere Hilfe (Psychoanalyse) nötig wird, um Psyche zu ermöglichen, Angst wieder gesund verdauen zu können.

Als Folge dieser Hilfe kann Verzerrung von Realität (die immer durch Angst ausgelöst wird) dann schrittweise wieder abgebaut werden. Nur ganz selten ist Psyche bei voller Gesundheit, was bedeutet: Eine gesunde Psyche kennt Angst, lässt sich von Angst aber nicht beherrschen.

Psyche und Geist

Geist bezieht sich auf die geistigen Fähigkeiten des Menschen, wie Wille, Intellekt, Entscheidungskraft sowie die kommunikativen Aspekte des Menschen wie Sprache. Grundsätzlich arbeiten Psyche und Geist zusammen. Geist kann auf Psyche zugreifen und Verzerrungen der Realität aufdecken, an welche Psyche sich angepasst hat, und Geist kann auch auf Seele zugreifen. Er ist Vermittler zwischen den verschiedenen Ebenen.

Psyche und Bewusstsein

Oberflächlich gesehen scheint es paradox zu sein, dass Psyche Realität vorzugsweise verzerrt abspeichert. Es ist jedoch nur unter diesen Voraussetzungen, dass Bewusstsein gefordert ist, sich zu entwickeln. Nur wachsende Bewusstheit kann Unterschiede zwischen Erinnerung und Wirklichkeit erkennen und die Verzerrungen von Realität korrigieren (mit Hilfe des Geistes). So gesehen ist Psyche gerade, weil sie Realität verzerrt speichert, die entscheidende Wachstumshilfe bei der Entwicklung von Bewusstheit.

„Nicht-materielles Organ“

Der erfrischend neue Terminus, Psyche sei ein „nicht materielles Organ“ (entnommen aus unten genanntem Buch), wird benutzt, um auf die zwei Aspekte von Psyche Bezug zu nehmen: „nicht-materiell“ bezeichnet die Tatsache, dass Psyche nicht sichtbar ist, während „Organ“ anzeigt, dass Psyche untrennbar mit dem Körper verbunden ist.

Insofern relativiert die zusammengesetzte Bezeichnung „Nicht-materielles Organ“ die Idee eines Organs, als dass Psyche nicht im Körper beheimatet ist, obgleich es ihn stark beeinflusst. – [Zur englischen Fassung]

Quellennachweis und Danksagung

Dieser Text entstand auf der Grundlage von Gedanken aus dem Buch: Hasselmann, Varda and Frank Schmolke: Welten der Seele. München, 1993. Seiten 31-45; er ist von G. Axmann zusammengestellt worden. Vielen Dank an die Autoren für die Übermittlung der Informationen. Weitere Details zur Seele und zum Menschen finden Sie im genannten Buch.